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15.01.2007 Erster Überschuldungsreport liegt vor
Erster Überschuldungsreport liegt vor
• iff-Studie belegt: Arbeitslosigkeit, Einkommensverlust, Trennung und Krankheit führen zur Überschuldung
• norisbank AG (demnächst TeamBank AG) führt Dialog mit Verbraucherschützern
Frankfurt/Nürnberg (15.01.07) - Überschuldung ist in erster Linie auf unstetes Einkommen und unvorhergesehene Probleme wie Arbeitslosigkeit, Einkommensverlust, Trennung, Krankheit und zusätzliche Ausgaben zurückzuführen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des gemeinnützigen Hamburger Forschungsinstituts für Finanzdienstleistungen (iff e.V.), die von der Nürnberger norisbank AG, (ab 23.01. TeamBank AG), mitinitiiert und finanziert wurde. Demnach trifft Überschuldung vor allem Haushalte, die unvorhergesehene Risiken nicht kompensieren können. Dies sind nach den Zahlen Niedrigverdiener, Alleinerziehende und Haushalte mit kleineren und mehreren Kindern.
„Wir wollen Mythen zur Überschuldung mit harten Fakten begegnen. Wir dürfen nicht über mehrere Jahre ungeeignete Lösungsansätze diskutieren, ehe die Ursachen geklärt sind“ sagte der Leiter des iff, Prof. Udo Reifner, bei der Vorstellung der Studie in Frankfurt. Überschuldung sei weder ein regionales noch ein Jugendproblem. Sie lasse sich zudem nicht auf Verschwendungssucht und falsche Haushaltsführung irregeleiteter Verbraucher reduzieren. Vielmehr zeige die Untersuchung, dass Überschuldung viele Ursachen und auch viele Lösungsmöglichkeiten habe, die alle Beteiligten - die kreditgebende Wirtschaft, die Betroffenen, Politik, Aufsicht und Sozialarbeit - zur Zusammenarbeit herausfordere.
„Wir wollen uns an der Mauer des Schweigens zwischen Verbraucherschützern und Kreditwirtschaft nicht beteiligen und suchen den konstruktiven Dialog“, ergänzte Theophil Graband, Vorstandsvorsitzender der Nürnberger norisbank AG. Denn Zahlungsausfälle sind für eine Bank und für die betroffenen Kunden gleichermaßen immer die schlechteste aller Möglichkeiten. „Vor diesem Hintergrund haben wir sowohl bei der Produktgestaltung als auch bei der Prävention bereits erste Schritte in die richtige Richtung vorgenommen. Die Impulse aus der Studie werden wir in unsere Überlegungen mit einbeziehen.“ Das iff hat daher eine Reihe von Anregungen an Wirtschaft, Politik und Wohlfahrt gegeben, die eine gemeinsame Diskussion um mehr Prävention und Kompensation ermöglichen sollen: verbesserte Produkte, mehr Risikoinstrumente, solidarische Formen, Berücksichtigung von Schulden bei Scheidung und Arbeitsplatzverlust sowie besseren Schulunterricht.
Zur Rolle der Banken sagte Reifner, dass deren Kredite Überschuldung einerseits zwar auslösen, andererseits aber auch verhindern oder verheerende Wirkungen einer drohenden Insolvenz eindämmen könnten. Es komme darauf an, wie sie vergeben, in der Krise angepasst und für den Konsum der Menschen genutzt würden. Dabei seien nicht alle Banken gleich kompetent und bemüht. Allerdings müsse dabei berücksichtigt werden, wie stark sie in den gefährdeten Gruppen aktiv sind und deren notwendige Kreditversorgung sicherstellten.
Die Autoren der Studie stellten zudem fest, dass Überschuldung bei Risikogemeinschaften mehrerer Erwachsener seltener eintritt, die in einer Wohnung leben, über stabiles und höheres Einkommen sowie eine abgeschlossene Ausbildung verfügen. Gleiches gilt auch für Ehepaare ohne Kinder. Zudem schütze ein hoher Kredit bei einem Gläubiger eher vor Insolvenz als mehrere kleine bei unterschiedlichen Gläubigern.
Das iff hat die in der Schuldnerberatung im Schuldenberatungsprogramm CAWIN gesammelten und gesicherten Wirtschaftsdaten ausgewertet, die über 2716 Privathaushalte in fünf deutschen Städten in den Jahren 2005 und 2006 erfasst wurden. Ziel war es, mit diesen Daten objektive belastbare Informationen über tatsächlich Zahlungsunfähige und die Ursachen vorzulegen.


