Warum viele Deutsche große Anschaffungen derzeit aufschieben
Ob neues Auto, Waschmaschine oder Wohnzimmermöbel: Viele Menschen in Deutschland verschieben größere Ausgaben derzeit. Das zeigt der erstmals erhobene easyCredit-Kreditindex 2026, eine repräsentative Studie zur Investitions- und Finanzierungsbereitschaft privater Haushalte in Deutschland. Demnach plant die Hälfte der Befragten in den kommenden zwölf Monaten keine größeren Anschaffungen.
Die Ergebnisse zeichnen das Bild einer Gesellschaft, die ihre finanziellen Entscheidungen aktuell vorsichtig trifft. Dahinter stehen weniger fehlende Wünsche als vielmehr wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die viele Haushalte zu Zurückhaltung veranlassen.
Hohe Preise bremsen Konsumpläne
Wer Anschaffungen verschiebt, tut dies vor allem aus finanziellen Gründen. 40 Prozent der Befragten nennen hohe Preise als entscheidenden Faktor. Hinzu kommen fehlende Rücklagen (34 Prozent) sowie hohe Energie- und Lebenshaltungskosten (31 Prozent). Fast jede fünfte Person gibt außerdem an, aktuell bewusst sparen zu wollen.
Die Zahlen verdeutlichen eine Entwicklung, die viele Menschen aus ihrem Alltag kennen: Obwohl bestimmte Anschaffungen notwendig oder langfristig geplant sind, fehlen häufig die finanziellen Mittel, diese zeitnah umzusetzen.
Der Kreditindex zeigt eine deutliche Zurückhaltung
Um die Stimmung in der Bevölkerung messbar zu machen, kombiniert der easyCredit-Kreditindex die Investitionsneigung und die Bereitschaft zur Finanzierung größerer Anschaffungen in einem Wert. Auf einer Skala von -100 bis +100 erreicht der Index aktuell -27,3 Punkte und liegt damit deutlich im negativen Bereich.
Bemerkenswert ist dabei, dass nicht nur größere Käufe verschoben werden. Auch die Bereitschaft, dafür einen Kredit aufzunehmen, fällt gering aus. Drei Viertel der Befragten schließen dies derzeit für sich aus.
Die Ergebnisse sprechen weniger für einen grundsätzlichen Konsumverzicht als für ein ausgeprägtes Bedürfnis nach finanzieller Sicherheit und Planbarkeit.
Deutliche Unterschiede zwischen den Generationen
Besonders stark unterscheiden sich die Ergebnisse nach Altersgruppen.
Während Menschen unter 30 Jahren insgesamt eine vergleichsweise hohe Investitionsbereitschaft zeigen und im Kreditindex mit +3,9 Punkten sogar leicht im positiven Bereich liegen, erreicht die Altersgruppe der 50- bis 79-Jährigen einen Wert von -43,1 Punkten.
Auch die konkreten Kaufabsichten unterscheiden sich deutlich:
- 63 Prozent der unter 30-Jährigen planen größere Anschaffungen innerhalb der nächsten zwölf Monate
- Bei den 50- bis 79-Jährigen liegt dieser Anteil bei lediglich 36 Prozent
- Jüngere investieren vor allem in Reparaturen, Ersatzanschaffungen und Renovierungen
- Menschen zwischen 30 und 49 Jahren planen häufiger Ausgaben für Urlaub, Möbel oder Komfortverbesserungen
Die Daten zeigen, dass finanzielle Prioritäten und Konsumverhalten eng mit der jeweiligen Lebensphase verbunden sind.
Was Menschen wieder zum Geldausgeben bewegen könnte
Trotz der aktuell zurückhaltenden Stimmung sehen viele Befragte konkrete Bedingungen, unter denen sie geplante Investitionen doch umsetzen würden.
An erster Stelle steht ein höheres Einkommen. 44 Prozent geben an, dass zusätzliche finanzielle Spielräume ihre Bereitschaft zu größeren Ausgaben erhöhen würden. 42 Prozent nennen sinkende Verbraucherpreise, 39 Prozent attraktive Angebote. Familien reagieren zudem überdurchschnittlich häufig auf steuerliche Entlastungen.
Die Ergebnisse legen nahe, dass die Konsumzurückhaltung nicht zwangsläufig dauerhaft sein muss. Viele Haushalte beobachten ihre finanzielle Situation genau und würden geplante Anschaffungen unter besseren Rahmenbedingungen durchaus wieder in Betracht ziehen.
Was der Kreditindex über die aktuelle Stimmung verrät
Der easyCredit-Kreditindex liefert erstmals einen zusammengefassten Blick auf die Investitions- und Finanzierungsbereitschaft privater Haushalte in Deutschland. Die Studie macht deutlich, dass viele Menschen derzeit nicht aus mangelndem Interesse auf größere Anschaffungen verzichten, sondern weil wirtschaftliche Unsicherheit, hohe Preise und begrenzte finanzielle Reserven ihre Entscheidungen prägen.
Damit liefert der Index zugleich einen Einblick in die aktuelle Konsumstimmung in Deutschland. Er zeigt, wie private Haushalte ihre finanzielle Lage einschätzen und welche Faktoren darüber entscheiden, ob größere Investitionen umgesetzt oder verschoben werden.
Der easyCredit-Kreditindex misst die Investitions- und Finanzierungsbereitschaft privater Haushalte in Deutschland. Er fasst beide Dimensionen zu einem Wert auf einer Skala von −100 bis +100 zusammen.
Grundlage ist eine repräsentative Befragung der deutschen Bevölkerung. Für die 1. Studienwelle 2026 wurden 1.679 Personen im Mai und Juni 2026 durch das Marktforschungsinstitut YouGov im Auftrag der TeamBank online befragt.
Der Index zeigt, wie private Haushalte ihre finanzielle Situation einschätzen und wie bereit sie aktuell sind, größere Anschaffungen zu tätigen oder diese zu finanzieren. Er dient damit als Stimmungsindikator für Investitions- und Konsumverhalten in Deutschland.